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Koffer & Schicksale: Istrien außerhalb Istriens

24.04 - 31.12.2009




Koffer & Schicksale: Istrien außerhalb Istriens
24.04.2009 – 31.12.2009

Es gibt wenige istrische Familien, aus denen kein Mitglied nach Argentinien, Amerika, Australien, Frankreich, Italien, Jugoslawien oder Schweden ausgewandert ist. Die Auswanderung fand ab dem Ende des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts statt. Man verließ das eigene Land aus verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Gründen und Gegebenheiten. Einige Fortgänge waren erzwungen oder zumindest einem Anstoß gefolgt, während andere das Resultat des Wunsches nach einem besseren Leben oder sogar nach einem Abenteuer waren. Unabhängig von den verschiedenen Meinungen darüber, was die Auswanderung verursachte, gingen alle Fortgänge Hand in Hand mit starken Gefühlen. In zwei großen und mehreren kleineren Auswanderungswellen verlor Istrien während des 20. Jahrhunderts eine große Anzahl von Einwohnern, die die Träger seiner Entwicklung hätten sein sollen. Obwohl man gleichermaßen aus dem Land und aus der Stadt wegzog, hinterließ der Fortgang gebildeter Menschen nach dem Zerfall der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und dem Anschluss Istriens an das Königreich Italien bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Anschluss Istriens an das damalige Jugoslawien die schwersten Folgen.

Die Ausstellung Koffer und Schicksale nähert sich der Erfahrung der Auswanderung aus Istrien aus einem ethnographischen Gesichtspunkt an (einige nennen diese Auswanderung Fortgang und andere doch Vertreibung). Sie zeigt Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den Erfahrungen der Istrianer, die außerhalb Istriens leben. Ohne eine Gesamtübersicht der Auswanderer-Erfahrungen geben zu wollen, möchten wir auf die Komplexität, die Vielschichtigkeit und die Verschiedenartigkeit der Schicksale emigrierter Istrianer sowie auf den Inhalt des Koffers, auf ihre Erinnerungen und ihr Erlebnis Istriens und der neuen Heimat aufmerksam machen.
Die Mehrheit der Auswanderungserfahrungen ist schmerzhaft und das Erleben des Geburtslandes ist sehr gefühlsgeladen. Obwohl jede Erfahrung eine besondere Geschichte ist, haben wir durch diese Ausstellung versucht, einige Erfahrungen der Auswanderer zu verallgemeinern. Viele Personen wissen heute in Istrien nicht, wie viele Istrianer außerhalb Istriens wohnen und wie ihr Leben aussieht. Deswegen wollten wir auch durch Einzelschicksale das Augenmerk der Besucher auf das Bestehen Istriens außerhalb Istriens lenken.

Wegen der Vielzahl und der Uneinheitlichkeit bestehender Interpretationen, die meistens aus verschiedenen ideologisch und politisch gefärbten Kontexten hervorgehen, stellte die Forschung und die Vorstellung der istrischen Emigration eine große Herausforderung dar. Es gibt fast keine Tatsache, worüber alle einig sind. Es gibt auch verschiedene Annahmen über die Anzahl der Istrianer, die in der Zwischenkriegszeit oder nach dem Zweiten Weltkrieg ausgewandert sind, und vor allem gibt es verschiedene Interpretationen des Drucks und der Gegebenheiten, die zur Emigration geführt haben. Wir haben uns nicht mit Zahlen und Analysen der verschiedenen Ideologien beschäftigt, sondern haben wir versucht, ethnographisch darzustellen, was mit den Menschen passiert, wenn sie ihr Leben außerhalb Istriens fortsetzen müssen, wenn sie fühlen, dass es so sein muss, oder einfach wenn sie es wollen.

Die Konzeption der Ausstellung entfaltet sich auf zwei Ebenen.

Die erste Ebene umfasst die Erfahrungen der Auswanderer, die im Allgemeinen gemeinsam und ähnlich waren. Nach der „Skizzierung“ der Gründe, die von den Auswanderer als Motivation für den Fortgang genannt wurden, wird auch die Tat der Abfahrt – mit dem Schiff, mit dem Zug, mit dem Gespann, zu Fuß – dargestellt: legale Überquerung der Grenze oder Flucht... Weiter wird das Leben in Notsiedlungen erzählt und anschließend gibt es eine Darstellung der für die istrischen Flüchtlinge gebauten Plansiedlungen. Ein Teil der Ausstellung ist den häufigsten Arbeiten und Überlebensstrategien im neuen Land sowie den Mitteln zur Kommunikation mit dem „alten Land“ gewidmet: Briefe, Postkarten und Pakete (die zusammen mit ihrem Inhalt ausgestellt sind). Die größere Einheit präsentiert die Tätigkeit der Vereine, wo sich die Istrianer versammelten: von jenen der Zwischenkriegszeit in Zagreb, und später auch in Belgrad, bis zu den Vereinigungen der Istrianer in Argentinien, in den USA, in Italien, Schweden und Frankreich. Der letzte Teil ist den von den Auswanderern aus Istrien mitgebrachten Erinnerungen gewidmet.
Obwohl die Ausstellung die Auswanderung am Anfang des 20. Jahrhunderts nur streift, ist das Material zum größten Teil den Auswanderungswellen in der Zwischenkriegszeit und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg gewidmet. So wurden die istrischen Auswanderer-Schicksale, welche unterschiedliche Ursachen aber auch viele Gemeinsamkeiten hatten, zum ersten Mal ethnographisch zusammen dargestellt.

Die zweite Ebene der Ausstellung bietet uns die Schicksalsgeschichte von zwölf Istrianern, die heute in verschiedenen Ländern leben. Sie unterscheiden sich durch ihr Geburtsjahr, ihr Geschlecht, ihr Bildungsniveau, und sie sind aus verschiedenen Gründen weggezogen. Sie werden mit Namen und Familiennamen, durch Familienfotos, Gegenstände, Erinnerungen und Zitate vorgestellt. So kann man beobachten, wie die Erfahrung der Auswanderung auf ihre Leben und Schicksale als Einzelpersonen gewirkt hat.
Auf verschiedenen Stellen werden Filme über Auswanderer oder von Auswanderern gespielt. Die Ausstellung beinhaltet auch Tonaufnahmen mit Liedern und Gesprächen von Auswanderern. Da viele istrische Auswanderer-Vereine in der virtuellen Welt des Internets tätig sind, wurde auch eine Internet-Zugangsstelle eingerichtet, wo die Webseiten dieser Vereine sowie die Webseiten von Restaurants istrischer Besitzer und von anderen Organisationen und Institutionen in der ganzen Welt durchgesucht werden können. Auf diese Art und Weise kann man sich ein klares Bild von Istrien außerhalb Istriens sowie von seinen verschiedenen Erscheinungsformen verschaffen.